Stefan Fulst-Blei: „Mickriger Stellenaufbau ist ein ganz schlechter Witz auf Kosten unserer Kinder“

Katrin Steinhülb-Joos: „Neue Lehrkräfte kann man nicht herbeijammern, wir brauchen endlich mehr Studienplätze“

 

„Frau Schoppers Sorgenfalten sind durchaus angebracht!“ kommentiert Dr. Stefan Fulst-Blei, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion: „Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres ist schon jetzt klar: Auf die Schulen kommt wieder einiges zu. Der massive Lehrkräftemangel wird zu erheblichem Unterrichtsausfall führen. Schulartübergreifend können viele Stellen nicht besetzt werden, derzeit sind noch rund 890 Stellen offen. Und gleichzeitig stellen nicht nur die Folgen der Pandemie, sondern auch die Beschulung der aus der Ukraine geflüchteten Schülerinnen und Schüler besondere Herausforderungen dar.

Fulst-Blei: „Hinzu kommt, dass die Personalreserve für Krankheitsvertretungen schon zu Beginn des neuen Schuljahres aufgebraucht sein wird. Die Auswirkungen auf das kommende Schuljahr werden erheblich sein: Lehrkräfte sollen immer bis über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten. Darunter leiden auch die Schülerinnen und Schüler, die immer noch mit den Folgen der Corona-Schulschließungen zu kämpfen haben. Für das neue Schuljahr kann einem da nur angst und bange werden. Die Landesregierung hätte schon lange die Krankheitsvertretungsreserve in ausreichendem Maße ausbauen müssen, wie wir es wieder und wieder gefordert haben. Und auch auf Unterstützung durch multiprofessionelle Teams oder den Ausbau der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie warten viele Schulen weiter vergebens. Dabei bräuchte es jetzt genau diese Unterstützung, um das kommende Schuljahr zu meistern.“

Für die kommenden Haushaltsverhandlungen fordert Fulst-Blei die Kultusministerin auf, sich stärker für die notwendigen Investitionen im Bildungsbereich einzusetzen: „Mit dem bisherigen Tempo werden wir unsere Schulen für die Zukunft nicht erfolgreich aufstellen können. Von den 4500 angemeldeten Stellen sind gerade einmal 700 übriggeblieben. Von einem ersten Platz auf der Prioritätenliste von Herrn Kretschmann hatten wir uns da etwas Anderes erwartet. Die zusätzlichen Stellen sind schon lange überfällig. Und sie genügen hinten und vorne nicht!“

Fassungslos zeigt sich Katrin Steinhülb-Joos, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, über die Ankündigung, das Unterrichtsangebot an einzelnen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) sogar zu reduzieren: „Die Lage an den Grundschulen und den SBBZ ist dramatisch. Wenn Ministerin Schopper an den Grundschulen von einer ‚gemütlichen‘ Situation spricht, liegt sie meilenweit abseits der Realität an den Grundschulen. Und jetzt gerade die Jüngsten und diejenigen mit dem größten Förderbedarf im Stich zu lassen, ist ein bitterer Hohn angesichts des grünen Anspruchs an Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit. Erfolgreiche Inklusion ist in der Bildung keine Kür, sondern Pflicht und ein Grundrecht. Die mögliche Reduzierung des Unterrichtsangebots an einzelnen SBBZ schlägt all dem ins Gesicht.“

Steinhülb-Joos: „Diese Landesregierung müsste doch endlich begreifen, dass man neue Lehrerinnen und Lehrer nicht herbeijammern kann. Dringend nötig wäre der konsequente Ausbau der Studienplätze im Lehramt. Aber hier kommt die Landesregierung allenfalls im Schneckentempo voran.“

Dr. Hendrik Rupp

Pressestelle