210301_SPD-Schutzschirm SuS.pdf

Schutzschirm für Schülerinnen und Schüler

Nach sehr fordernden eineinhalb Schuljahren Pandemie mit digitalem Fernunterricht, Betreuungsstress und zu wenig sozialen Kontakten weiß niemand wie gut oder wie schlecht Lernen unter diesen Bedingungen funktioniert hat, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler erworben haben und was sie tatsächlich gelernt haben. Eltern machen sich Sorgen, ob ihr Einsatz ausreichend war, ob ihre Kinder zu wenig Unterricht hatten und ob sie vielleicht den Anschluss verloren haben. Wir wollen den Schülerinnen und Schülern und den Eltern in unserem Bundesland die Zuversicht und den Mut zurück geben. Deswegen wollen wir als erste Maßnahme im neuen Schuljahr2021/22 ermitteln, wo jede einzelne Schülerin und jeder einzelne Schüler steht und den Lehrkräften die Instrumente an die Hand geben, ihre Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern, nicht nur bei den allgemeinbildenden, auch bei den beruflichen Schulen. Damit gehen wir die Modernisierung unserer Schulen mit Nachdruck an. Denn wir haben die Menschen und die Möglichkeiten, gerade auch aus dieser Lage heraus, einen Aufbruch in die Zukunft zu wagen. Die Sozialdemokratie will Mut machen! Hierfür schlagen wir folgende sieben Sofortmaßnahmen ab dem Schuljahr 2021/22 vor:

1. Lernstand Zukunft erheben
Wir werden zu Beginn des kommenden Schuljahres Lernstandserhebungen mit dem Fokus auf dem individuellen Förderbedarf der Schülerinnen und Schülerin allen Klassenstufen durchführen, z.B. nach dem Modell des diagnostischen Instruments Lernstand 5. Die Ergebnisse müssen dann in qualitativ hochwertige und individuelle Maßnahmen zur Förderung der Schülerinnen und Schüler münden.

2. Schulleitungen und Lehrkräfte stärken
Die Schulleitungen müssen die Möglichkeit bekommen mit den vor Ort vorhandenen Ressourcen an Stunden und Lehrkräften die Förderbedarfe der Schülerinnen und Schüler abzudecken.

 Mit einer flexiblen Verteilung der Gesamtstundenzahl der Schule auf Fächer, die
schwerpunktmäßig unterrichtet werden sollen
 Mit einer flächendeckenden Einführung von Coaching an allen Schularten und der
individuellen Zuordnungen von Schülerinnen und Schülern zu Lehrkräften, die als Coaches arbeiten
 Mit der Zuweisung von Poolstunden für individuelle oder gruppenbezogene Fördermaßnahmen, z.B. Lernwerkstätten.

3. 10.000 Unterstützerinnen und Unterstützer für unsere Schulen
Um die Wissens- und Kompetenzlücken der Schülerinnen und Schüler aus den Corona-bedingten Schulschließungen aufzuholen, benötigen die Lehrkräfte in den kommenden Jahren mehr Unterstützung. Mit den hier vorgeschlagenen Maßnahmen verbessern wir die bereits
existierenden schulischen Unterstützungssysteme, geben den Schulen die Möglichkeit auf Coaching-Systeme zurückzugreifen und geben auch Lehramtsstudierenden die Perspektive auf ein gutes Arbeitsumfeld.

Hierzu zählen:
 Die Schaffung von 1.000 zusätzlichen Lehrerstellen für alle Schularten
 Dine Einstellungsoffensive für Pädagogische Assistentinnen und Assistenten mit ein bis zwei Stellen pro Schule in Abhängigkeit von Größe und Sozialraumstruktur der Schülerschaft
 Der Ausbau weiterer Assistenzsysteme wie Coaching, Schulsozialarbeit und Schulpsychologie
Zur ergänzenden Finanzierung werden wir mit dem Bund Gespräche führen und für die Schaffung eines gesonderten Förderbudgets werben.

4. Druck rausnehmen
Wir nehmen Druck von Eltern, die sich für ihre Kinder mehr Zeit zum Lernen wünschen, ob Corona-bedingt oder nicht. Hierfür schlägt die SPD folgende Optionen vor:
 Ein Frei-Jahr: Eltern sollen für zwei Jahre das Wahlrecht erhalten, ihre Kinderfreiwillig wiederholen zu lassen, ohne dass dies angerechnet wird. Dies gilt auch dann, wenn ein „Sitzenbleiben“ aufgrund von Noten droht, sofern die gleiche Klassenstufe nicht schon
zwei Mal absolviert wurde.
 Die Verkleinerung des Klassenteilers für das kommende Schuljahr an den weiterführenden Schulen auf 28, um kleinere Eingangsklassen zu erhalten.

5. Lernpartnerschaften aufbauen
Wir legen ein Programm für Lernpartnerschaften in kleinen Gruppen auf. Dabei etablieren die Schulen auf Dauer angelegte Partnerschaften mit Ehrenamtlichen. Studierende, die sich hierbei engagieren, ermöglichen wir Credit Points für ihr Studium zu erwerben. Wir greifen hiermit eine Idee der Studie „Lehren aus der Pandemie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung auf.

6. Landesweites Lernunterstützungsprogrammauflegen
Wir legen ein landesweites Lernunterstützungsprogramm von mind. 40 Mio. Euro auf und stellen Schulen dezentrale Budgets zur Beauftragung zertifizierter Nachhilfe- und Unterstützungsinstitutionen zur Verfügung. Dieses Programm kann schon in den Sommerferien
für Nachhilfe oder Brückenkurse genutzt werden. Die Umsetzung erfolgt nachdem Vorbild des erfolgreichen und evaluierten Mannheimer Unterstützungssystem Schule (MAUS).

7. IT-Fachkraftfür jede Schule
Um die Betreuung der nun angeschafften digitalen Endgeräte an den Schulen vornehmen zu können, soll es für jede Schule eine IT-Fachkraft geben, die dies professionell und ohne Zusatzbelastung für die Lehrkräfte oder Eltern erledigen kann. Wo diese Stelle angesiedelt sein wird, an der Schule selbst oder bei der Kommune, wird von den Gegebenheiten vor Ort abhängen.

Stuttgart, 1. März 2021

Achim Winckler
Pressesprecher

Ansprechpartner

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Markus Sommer
Berater für Hochschulen, Wissenschaft und Kunst