MdL Helen Heberer: „Bibliotheken und Museen öffnen Welten – sie dürfen nicht als Pfandmasse für fragwürdige Fürstendeals missbraucht werden“

Aus Anlass des Tags der Bibliotheken am morgigen Dienstag fordert Helen Heberer, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ministerpräsident Oettinger auf, diesen Tag für eine kulturelle Besinnung zu nutzen. Bibliotheken garantierten den freien Zugang der Bürgerinnen und Bürger zu Information, Wissen, Bildung sowie Unterhaltung. „Bibliotheken öffnen Welten“ und dürften deshalb nicht als „Pfandmasse für fragwürdige Fürstendeals“ missbraucht werden. Durch Personaleinsparungen, Kürzungen bei den Beschaffungsetats, Reduzierung der Öffnungszeiten – und auch durch allzu eifrige Anpassung an den Zeitgeist mit der Anschaffung teurer Bibliothekselektronik, statt des gedruckten Buchs, werde die kulturelle Bedeutung der Bibliotheken ohnehin schon geschmälert.

Heberer: „Der leichtfertige Umgang des Ministerpräsidenten mit den Kulturgütern aus dem Umfeld des badischen Adels dokumentiert geradezu symbolisch, womit zu rechnen ist, wenn das Bewusstsein für die kulturelle Dimension des öffentlichen Lebens verloren geht.“

Zu dieser Geisteshaltung passe, dass Oettinger jetzt die Museen und Bibliotheken des Landes mit ihren Etats heranziehe, um die ‚Notlösung’ mit dem Haus Baden zu finanzieren. Nach Auffassung von Helen Heberer ist dies nichts anderes als eine Strafaktion gegen die Kultureinrichtungen, deren Direktoren früh und entschieden gegen den Deal mit dem Markgrafen von Baden protestiert hatten. Als „kulturlos“ geißelte Heberer die Absicht der Landesregierung, eine Vielzahl kultureller Projekte, wie etwa das „Forum neues Musiktheater“, für den Vergleich mit dem Haus Baden bluten zu lassen.

Heberer kritisierte auch das event-geprägte Kunst- und Kulturverständnis der Landesregierung. Die wohlfeilen Bekenntnisse Oettingers beim Kunstkongress der Landesregierung im November 2005 klängen heute hohl, wenn man sich nun sein Geschachere um die Relikte aus der badischen Geschichte vor Augen führe.

Der „Tag der Bibliotheken“ wurde erstmals am 24. Oktober 1995 von der Deutschen Literaturkonferenz unter der Schirmherrschaft von Richard von Weizsäcker ausgerufen. Er erinnert an die von dem königlichen sächsischen Rentamtmann Karl Benjamin Preusker am 24. Oktober 1828 in Großenhain eingerichtete Schulbibliothek, die 1832 zur ersten deutschen Bürgerbibliothek erweitert wurde.

Heberer sieht vor diesem Hintergrund im Tag der Bibliotheken eine gute Gelegenheit für den Ministerpräsidenten, eine „Auszeit“ zu nehmen, um über die Bedeutung der Kultur nachzudenken, die jenseits ihrer Funktion als wirtschaftlicher Standortfaktor liegt. Ihr Appell an Oettinger: „Auch wenn die Chance nach wie vor gering sein dürfte, dass Sie die Zeitung über die Wirtschaftsseiten hinaus lesen: Gehen Sie nach dem Handschriften-Deal in sich, nutzen Sie den Tag der Bibliotheken als ihren persönlichen Tag der kulturellen Besinnung und korrigieren Sie die geplanten Kürzungen bei den Museen und Bibliotheken.“

Helmut Zorell
Pressesprecher

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