MdL Carla Bregenzer: „Die Landesregierung muss endlich aufwachen, Aufklärung betreiben und Schutzmaßnahmen ergreifen“

„Der Gesundheitsbereich wird immer mehr von Sekten und Psychogruppen unterwandert und immer mehr Gutgläubige werden Opfer dieser Unterwanderungsstrategie“. Zu diesem Ergebnis kommt die sektenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Carla Bregenzer, nach Auswertung entsprechender Vorgänge – auch im Internet. Gerade der Gesundheitsbereich sei in den vergangenen Jahren zu einem Feld geworden, in dem sich insbesondere auch die Scientologysekte und ihre Tarnorganisationen tummelten. Das Gefährliche an dieser Unterwanderungsstrategie bestehe darin, dass solche Organisationen häufig über eine vorgeblich kritische Auseinandersetzung mit der Schulmedizin, mit Drogenmissbrauch oder mit Psychopharmaka gutgläubig Interessierte köderten und dabei ihre wahren Interessen und ihre organisatorischen Hintergründe verschleierten. Ein Beispiel dafür sei etwa die Internetseite des Ritalin-Kritikers (Psychopharmaka) und Scientologen Helmut Kaeding (www.ritalin-kritik.de).

Scientologen und deren Tarnorganisationen mischen sich nach Bregenzers Angaben massiv ein in die aktuelle öffentliche Diskussion um die Behandlung hyperaktiver Kinder mit dem Psychopharmakon Ritalin. Über die Verunglimpfung der Psychiatrie, das Spiel mit den Ängsten und Unsicherheiten der Menschen, versuchten sie neue „Kunden“ für die menschenverachtende Technologie von L. Ron Hubbard zu gewinnen. Scientologen versuchten sogar, Einfluss zu nehmen auf die Bemühungen des Europarates, zu europäischen Standards in der psychiatrischen Behandlung zu kommen.

Eine besondere Gefahr sieht Carla Bregenzer im Internet besonders dort, wo kommerzielle Website-Betreuer im Auftrag ihrer Kunden in guter Absicht Links beispielsweise zu medizinkritischen und alternativen Angeboten auflisten und dabei ohne es zu wissen scientologischen Tarnunternehmen zu weiterer Bekanntheit verhelfen. Entsprechende Links verwiesen häufig z. B. auf die von Scientology gegründete KVPM (Kommission für Verstöße der Psychiatrie gegen die Menschenrechte), Criminon, Narkonon und scientologisch geschulte Einzelpersonen.

Ein Beispiel dafür fand Carla Bregenzer erst jüngst bei einem Symposium über hyperaktive Kinder, bei dem einer der Mitveranstalter zu seinem Entsetzen feststellen musste, dass auf seiner Homepage durch einen kommerziellen Website-Betreuer Links zu einem ihm völlig unbekannten scientologisch orientierten Anbieter angebracht wurden. Carla Bregenzer: „Es ist höchste Zeit, dass die Landesregierung diese Gefahren im Gesundheitsbereich endlich ernst nimmt, massiv für Aufklärung sorgt und auch entsprechende Schutzmaßnahmen ergreift.“

In ihrer Parlamentsinitiative schlägt die Sektenexpertin der SPD-Fraktion u. a. vor, im Gesundheitssektor spezielle Schutzklauseln gegen die Unterwanderung durch Sekten zu verwenden. Solche Schutzerklärungen werden nach Bregenzers Worten bei der Wirtschaft schon seit mehr als 10 Jahren praktiziert, in Behörden und Verwaltungen würden sie bundesweit seit dem vergangenen Jahr angewandt, „und zwar mit gutem Erfolg“. In einer solchen Schutzklausel versichern Anbieter ihrem Auftraggeber, dass sie Scientology-Techniken oder die L. Ron Hubbard-Technologie ablehnen und auch auf Hompages keine Links zu entsprechenden Sekten bzw. deren Tarnunternehmen anbringen.

Carla Bregenzer: „Sektenexperten versprechen sich von einer solchen Schutzerklärung gerade für den Gesundheitsmarkt sehr viel, weil sich dort Sekten besonders stark tummeln und dabei ihre Spuren häufig genug zu verwischen versuchen. Eine solche Schutzerklärung würde alle im Gesundheitsbereich Tätigen dazu zwingen, genauer hinzusehen, um so Scientologen oder anderen Sekten das weitere Vordringen zu erschweren.“

gez. Helmut Zorell

Fraktionssprecher

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