SPD-Fraktionsvize Dr. Stefan Fulst-Blei kommentiert die Reformvorschläge der FDP für Haupt- und Werkrealschulen im Land: „Eine angeschlagene Schulart einfach mit einem neuen Türschild zu versehen, vermag es nicht, die gegenwärtigen Herausforderungen der Haupt- und Werkrealschulen zu lösen. Der Gesetzesentwurf der FDP zur „beruflichen Realschule“ bedient sich der alten Prämisse des Schubladendenkens und der frühen Selektion. Die Zukunft eines gerechten und leistungsfähigen Schulsystems liegt aus Sicht der SPD jedoch in integrierten Schulformen wie der Gemeinschaftsschule und neuen Realschule, an der unterschiedliche Abschlüsse erworben werden können. Die Potentiale einer engen Verknüpfung mit dem beruflichen Schulwesen könnten in dieser durchlässigen Struktur ebenso genutzt werden ohne den organisatorischen Mehraufwand.

Die tollen Ergebnisse der Gemeinschaftsschule bei ihren ersten Realschulprüfungen sind der beste Beweis dafür, dass man Kinder nicht möglichst früh trennen muss, sondern ein gutes pädagogisches Konzept für den Umgang mit Heterogenität benötigt. Die FDP betont immer wieder, wie viele Kinder seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung eine vermeintlich falsche Schulart besuchen und begründet damit den Bedarf einer „beruflichen Realschule“. Die eigentlich wichtige Frage lautet aber, wie die Schulen in diesem Land ihren Schülerinnen und Schülern das richtige Angebot unterbreiten können. Abschulung, Stigmatisierung und noch mehr Schularten sind nicht die Antworten, die unsere Gesellschaft braucht. Stattdessen muss individuelle Förderung an allen Schulen zur gelebten Praxis werden und das viergliedrige System perspektivisch verschlankt werden.

Dass die FDP ihre Umetikettierung der Haupt- und Werkrealschulen zur „beruflichen Realschule“ auf Kosten der Gemeinschaftsschulen finanzieren will, ist ein unnötiger Seitenhieb. Es ist unprofessionell und unglaubwürdig von den Liberalen, der Gemeinschaftsschule den Klassenteiler nehmen zu wollen, den sie gleichzeitig als Zielgröße für alle Schulen herausgeben. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, unsere Schulen besser zu machen und keine ideologischen Verteilungskämpfe zu schüren.“

Stuttgart, 29. November 2018

Achim Winckler
Stellvertretender Pressesprecher

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Beraterin für Bildung, Jugend und Sport