Bildungsexperte Zeller: „Anstatt die Schule im Dorf zu lassen, läutet die Landesregierung mit der Werkrealschule einen dramatischen Konzentrationsprozess ein“
Nach Ansicht der SPD-Landtagsfraktion beschleunigt die Werkrealschule das Aus vieler wohnortnaher Schulstandorte. Die hohe Zahl zurückgestellter Anträge zeige auch auf, dass das Werkrealschulkonzept für die Schulsituation vor Ort nicht die richtige Antwort sei. Die SPD fordert die Landesregierung auf, innovative Schulkonzepte zuzulassen, bei denen die Kinder länger gemeinsam lernen könnten.
Nach Ansicht von Norbert Zeller, SPD-Abgeordneter und Vorsitzender des Schulausschusses, kann die heute von Kultusminister Rau veröffentlichte Zahl an genehmigten Werkrealschulen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Landesregierung einen dramatischen Konzentrationsprozess der Schulstandorte einläute. „Die erst kürzlich veröffentlichte Schulentwicklungsstudie von Tino Bargel (Uni Konstanz) hat aufgezeigt, dass die Pläne der Landesregierung dazu führen, dass es nur noch in jeder dritten Gemeinde im Land eine Schule der Sekundarstufe 1 geben wird. Vor allem für den ländlichen Raum ist diese Entwicklung eine Katastrophe“, so Zeller.
In 77 Fällen sind nach Angaben des Kultusministeriums die Anträge zurückgestellt. Diese Zahl zeige, dass das Werkrealschulkonzept eben nicht auf jede Schulsituation vor Ort passe. Zeller forderte die Landesregierung deshalb auf, innovative Schulkonzepte zuzulassen, die auf die Situation vor Ort zugeschnitten seien und die Kinder länger gemeinsam lernen lassen würden. Über 60 solcher Anträge hätte das Kultusministerium in den letzten Jahren aus rein ideologischen Gründen abgelehnt. Die Bargel-Schulstudie hätte eindeutig belegt, dass mit Modellen des längeren gemeinsamen Lernens deutlich mehr Schulstandorte im Land erhalten werden könnten als mit dem dreigliedrigen Schulsystem.
Stuttgart, 15. Februar 2010
i.V., Martin Körner