MdL Gunter Kaufmann: „Fehlende Ausbildungsplätze gefährden die Zukunft unserer Jugendlichen und jungen Erwachsenen“

Die SPD hat Wirtschaftsminister Pfister davor gewarnt, die sich verschärfende Situation beim Lehrstellenangebot gesund zu beten. „Ein Minus von 9,6 Prozent bei den neuen Ausbildungsverträgen der Industrie- und Handelskammern im Vergleich zum letzten Jahr ist nun wahrlich kein Grund, den Ausbildungsmarkt als entspannt zu bewerten“, sagte der SPD-Berufsbildungsexperte Gunter Kaufmann. „Wenn die Wirtschaftskrise im nächsten Jahr voll durchschlägt, rechne ich mit einem noch stärkeren Rückgang bei den Ausbildungsplätzen“, so Kaufmann weiter. Er rief die Betriebe dazu auf, ihr Ausbildungsplatzkontingent nicht zurückzufahren. „Jedem Betrieb muss klar sein, dass schon bald noch weniger junge Leute als Auszubildende zur Verfügung stehen.“ Wer heute Ausbildungsplätze streiche, verschärfe überdies den Fachkräftemangel morgen.

Als unbefriedigend bezeichnete Kaufmann das hohe Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage in vielen Ausbildungsberufen. Heute kämen auf 100 Bewerber gerade 99 Lehrstellen. Um den Jugendlichen eine echte Wahlmöglichkeit entsprechend ihrer Begabung zu geben, müsse die Quote von 0,99 auf 1,3 angehoben werden. „Ein Jugendlicher, der in seinem Wunschberuf eine Absage nach der anderen erhält, kann für alle schön gerechneten statistischen Zahlen nur Hohn und Spott empfinden“, sagte Kaufmann.

Das Land in der Pflicht sieht Kaufmann im Bereich der Altbewerber. Nach wie vor gebe es zu viele junge Leute, die keine Lehrstelle erhielten und stattdessen Praktika und geförderte Bildungsmaßnahmen absolvierten oder weiter zur Schule gingen. Im letzten Jahr betraf dies 11.000 von 66.000 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldete Bewerber. Jeder sechste wurde demnach in eine solche Warteschleife gedrängt. Zudem hätten sich viele Bewerber bereits bei der Arbeitsagentur abgemeldet und fielen als „ehemalige Bewerber“ nicht mehr auf. Dies verringere zwar die Zahl der „unversorgten Bewerber“, bedeute aber nicht, dass diese jungen Menschen tatsächlich eine Lehrstelle hätten.

Stuttgart, 9. November 2009
Martin Mendler
Stellv. Pressesprecher