Bildungsexperte Kaufmann: „Wer jetzt Ausbildungsplätze streicht, gefährdet eine positive Zukunft seines eigenen Betriebes“

Die SPD-Fraktion ist besorgt über den heutigen Bericht der Regionalagentur zur Ausbildungssituation. Danach gebe es ein Minus von 2,7 Prozent bei den Ausbildungsplätzen. Dieser Rückgang verschärfe den vorausgesagten Fachkräftemangel und ignoriere die demografische Herausforderung, erklärte Gunter Kaufmann, Fraktionssprecher für berufliche Bildung. „Die Betriebe müssen sich stärker darauf einrichten, dass es bald weniger Auszubildende geben wird“, forderte er. Kaufmann erwartet im kommenden Jahr einen noch stärkeren Rückgang, wenn die Wirtschaftskrise voll auf den Ausbildungsmarkt durchschlage. „Wer jetzt Ausbildungsplätze streicht, gefährdet eine positive Zukunft seines eigenen Betriebes“, sagte der Politiker.

Der SPD-Politiker verwies auch darauf, dass bei vielen Wunschberufen ein hohes Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bestehe. Derzeit liegt das Verhältnis Ausbildungsplatz zu Bewerberzahl lediglich bei 0,99. Damit entfallen auf 100 Bewerber 99 Lehrstellen. Doch nur bei einer Quote von 1,3 sei das Verhältnis akzeptabel. „Die Jugendlichen müssen eine Wahlmöglichkeit haben, um ihren unterschiedlichen Begabungen gerecht werden zu können“, forderte Kaufmann.

Im Übrigen gebe es nach wie vor zu viele Bewerber, die keine Lehrstelle erhielten und statt dessen Praktika und geförderte Bildungsmaßnahmen absolvieren müssten oder weiter zur Schule gingen. Viele Bewerber hätten sich bereits von der Arbeitsagentur abgemeldet und fielen als „ehemalige Bewerber“ nicht mehr auf. „Die jetzigen Positivmeldungen spiegeln die Wirklichkeit nicht ganz wider: Entspannung bedeutet noch nicht Entwarnung für den Ausbildungsmarkt“, sagte Kaufmann deshalb.

Stuttgart, 13. Oktober 2009
Dr. Roland Peter
Pressesprecher