Baden-Württembergs SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler mahnt zur Zurückhaltung in der Debatte über Konsequenzen aus dem blutigen Amoklauf von Erfurt

Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion Baden-Württemberg, Wolfgang Drexler, hat in der Debatte über politische und gesetzgeberische Konsequenzen aus dem blutigen Amoklauf eines Gymnasiasten in Erfurt mit Nachdruck zur Zurückhaltung aufgerufen. Der SPD-Politiker warnte vor „billigem Aktionismus, der nur beruhigen soll, aber nichts bringen wird“.

„Alle reden von Innehalten und Nachdenken, um im nächsten Atemzug bereits das jeweilige Patentrezept aus dem Ärmel zu ziehen. Das widert mich an“, machte Drexler seinem Unmut Luft.

Innehalten heiße jetzt in erster Linie „Klappe halten“, betonte Drexler. „Doch führende Politiker aller Parteien – da nehme ich die SPD nicht aus – posaunen ihre Schnellschüsse in die Mikrophone, wohl wissend, dass deren Verwirklichung die Erfurter Schreckenstat nicht hätte verhindern können.“

Drexler warf einzelnen Politikern und bestimmten Medien vor, aus dem wahnsinnigen Verbrechen eiskalt Kapital schlagen zu wollen. „Den einen geht es um Stimmungen und Stimmen, den anderen um Quote und Verkaufszahlen“, tadelte der SPD-Fraktionsvorsitzende. „Was der bayerische Innenminister Beckstein treibt, ist schäbig, aber auch die Scheinaufklärung, die Polittalker wie Kerner, Christiansen und andere mit ihren Sondersendungen betreiben, finde ich hohl und verlogen“, sagte der SPD-Politiker.

Wolfgang Drexler: „Anstatt zu meinen, eine Verschärfung des Waffenrechts, die Einstellung von Schulpsychologen oder die Verringerung von Gewalt im Fernsehen werde Wunder bewirken, bekenne ich mich wie die meisten Menschen zu meiner Rat- und Hilflosigkeit.“

Natürlich müsse man in Ruhe auch über politische Konsequenzen reden, doch zunächst gelte es sich einzugestehen, so Drexler, dass eine Wahnsinnstat wie die von Erfurt Gott sei Dank absolut selten passiere und dass auch in Zukunft kein Gesetz und keine sonstige Maßnahme ein solches Unheil werde verlässlich verhindern können. „Das ist die bittere Wahrheit von menschlichen Tragödien!“

Die erste wirkliche Besserung beginne damit, unterstrich Drexler, dass Politiker den Mut hätten, sich gegenüber den Menschen zu solch einfachen, wenngleich traurigen Einsichten zu bekennen, obschon sie vermeintlich Schwäche und Unfähigkeit zum Handeln signalisierten.

gez. Martin Mendler

Stellv. Pressesprecher