MdL Christoph Bayer: „Die Finanzierung der Weiterbildung im Land steht seit Jahren in krassem Missverhältnis zu ihrer Bedeutung“

Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer machten heute bei einer Anhörung der SPD-Landtagsfraktion auf die dramatischen Auswirkungen der jahrelangen Kürzungen der Landesmittel im Weiterbildungsbereich aufmerksam. Die Vertreter der Volkshochschulen, der kirchlichen Erwachsenenbildung und der Gewerkschaften kritisierten insbesondere die erneute 10-prozentige Kürzung in diesem Jahr. Die Landesförderung sei damit allein in den vergangenen 10 Jahren um insgesamt 60 Prozent verringert worden. Fatal sei, dass mit der neuerlichen Kürzung in laufende Haushalte eingegriffen werde. Dadurch leide nicht nur die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Landesregierung, viele Kommunen könnten zudem die wegbrechenden Landesmittel nicht mehr kompensieren.

Der Anteil der Teilnehmergebühren sei heute schon so hoch, dass jede weitere Erhöhung die Gefahr der verschärften sozialen Selektivität ansteigen lasse, so die Einschätzung vieler Teilnehmer. Sie forderten, im Sinne einer öffentlichen Verantwortung für die Weiterbildung müsse diese verlässlich unterstützt werden. „Lippenbekenntnisse über die Bedeutung der Weiterbildung reichen nicht aus! Wir brauchen gute Rahmenbedingungen und eine verlässliche und deutlich aufgestockte strukturelle Landesförderung“, forderten die Teilnehmer nach den Angaben von MdL Christoph Bayer, Sprecher für Weiterbildung in der SPD-Fraktion.

Prof. Josef Schrader von der Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen wies darauf hin, dass die Unterfinanzierung der Weiterbildung die flächendeckende Versorgung mit Weiterbildungsangeboten gefährde.

Der Volkshochschulverband forderte in der SPD-Anhörung eine Trendumkehr: „Der Trend zur chronischen Unterfinanzierung der Weiterbildung muss gebrochen werden.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) prangerte die steigende Zahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Weiterbildungsbereich an und kritisierte: „Der Kostendruck in der Weiterbildung wird immer größer, und er wird auf dem Rücken der Honorarkräfte ausgetragen.“

Für Christoph Bayer, Weiterbildungsexperte der SPD-Fraktion, hat die Anhörung eindrucksvoll bestätigt, dass sich durch die erneute 10-prozentige Kürzung der Trend zur Privatisierung und Kommerzialisierung in der Weiterbildung verschärft.

Bayer: „Höhere Teilnehmerbeiträge führen dazu, dass sich gerade die Menschen Weiterbildungsangebote nicht mehr leisten können, die sie am dringendsten brauchen.“

Vor diesem Hintergrund müsse endlich eine zukunftsweisende Diskussion über die gerechte Verteilung der Finanzierungslasten stattfinden. Die Prämisse müsse dabei sein, dass Weiterbildung eine öffentliche Aufgabe sei und somit auch in öffentlicher Verantwortung bleiben müsse. Bayer forderte ein Gesamtkonzept für die Weiterbildung, das über ein Sammelsurium von Einzelprojekten hinausgeht und in dem Schulen, Hochschulen, berufliche Bildung und außerschulische Bildungsträger einbezogen sind. Dazu werde die SPD-Landtagsfraktion weitere Veranstaltungen durchführen und entsprechende parlamentarische Initiativen auf den Weg bringen.

Helmut Zorell
Pressesprecher