Bildungssprecher Stefan Fulst-Blei: „Die Befunde fallen durchaus differenziert aus, sind aber allemal Grund, anstehende Entscheidungen zur Zukunft von G8/G9 sorgfältig abzuwägen“
Die Ergebnisse der Tübinger Studie zu „Konsequenzen der G8-Reform“ sind aus Sicht des SPD-Bildungsexperten Stefan Fulst-Blei höchst aufschlussreich und in einzelnen Aspekten sogar überraschend, bildungspolitisch aber auf jeden Fall von großer Relevanz. „Die Befunde fallen durchaus differenziert aus, sind aber allemal Grund, anstehende Entscheidungen zur Zukunft von G8/G9 sorgfältig abzuwägen“, sagte Fulst-Blei.
Die Untersuchung konnte beim Leistungsniveau zwischen G8- und G9-Abiturienten keine oder nur geringfügige Unterschiede feststellen. Allerdings bestätige sie einen zentralen Punkt in der kritischen Debatte zum G8, nämlich die subjektiv als größer empfundene Belastung und ein weniger gutes gesundheitliches Wohlbefinden. „Auf die Beseitigung dieser Defizite des G8 müssen wir unser Augenmerk vornehmlich richten“, so Fulst-Blei. Von großem Interesse wäre auch, ob es einen Unterschied zwischen G8- und G9-Schülern gebe, was die Erreichung des Abiturziels anbelange.
Als „Blindstelle“ der Studie bezeichnete er fehlende Erklärungsansätze für das eindeutige Wahlverhalten von Eltern und Schülern zugunsten des G9 dort, wo es im Rahmen des laufenden Modellversuchs als Alternative angeboten werde. „Wenn uns massenhaft der Wunsch nach Rückkehr zum G9 rückgemeldet wird, dann basiert dies ja nicht auf eingebildeten, sondern auf erlebten Missständen im G8“, unterstrich Fulst-Blei.
Er kündigte an, man werde innerhalb der grün-roten Koalition zusammen mit dem Kultusminister sorgfältig beraten, welche Weichen im Lichte der aktuellen Studie für die künftige Weiterentwicklung des Gymnasiums gestellt werden müssen. Die Autoren der Studie hatten selbst empfohlen, eine neuerliche Debatte um G8/G9 zu vermeiden.
Stuttgart, 20. April 2015
Martin Mendler, Pressesprecher