Hochschulexperte Johannes Stober: „Nur wenn die Hochschulen stärker entscheiden können, welchen Weg sie gehen wollen, wird sich die Situation verbessern“

Die SPD-Landtagsfraktion begrüßt die große Kritik am bisherigen Bologna-Prozess, der sich auf dem heutigen Kongress der Landesregierung gezeigt habe. Der SPD-Hochschulexperte Johannes Stober fordert Wissenschaftsminister Peter Frankenberg dazu auf, diese Kritik aufzugreifen und den Prozess umzugestalten. „Die Landesregierung muss endlich bereit sein, den Bologna-Prozess mit wirksamen Korrekturen anzugehen“, erklärte Stober. Die SPD fordert deshalb, den Hochschulen einen deutlich größeren Spielraum bei der Ausgestaltung der Bachelor- und Masterstudiengänge einzuräumen. So müssten auch grundständige Masterstudiengänge möglich sein, die direkt zu einem Abschluss ähnlich dem früheren Diplom führen. „Nur wenn die Hochschulen stärker entscheiden können, welchen Weg sie gehen wollen, wird sich die Situation verbessern“, sagte Stober. Es sei auch falsch, maximal eine Dauer von zehn Semestern für Bachelor und Master zusammen vorzuschreiben. Die Hochschulen müssten auch hier flexibler werden können, forderte Stober.

Stober verwies darauf, dass die zentralen Reformziele des Bologna-Prozesses nicht nur verfehlt worden seien. Inzwischen gebe es sogar konkrete Verschlechterungen. Stober hält es etwa wegen der unterschiedlichen Studiengang-Konstruktionen für nicht mehr gewährleistet, dass die Studierenden zwischen den Hochschulen wechseln könnten – vom Ausland ganz zu schweigen.

Stober betonte, wenn die Hochschulen selbst die Möglichkeit hätten, über solch neue grundständige Masterstudiengänge zu entscheiden, könne einer der zentralen Geburtsfehler des Bologna-Prozesses revidiert werden. Er verwies darauf, dass die Diplom-Studiengänge auch den Ruf der deutschen Hochschulen mitbegründet hätten. Es sei deshalb entscheidend, auf dieser Tradition wieder aufzubauen. Stober kündigt an, dass die SPD-Fraktion die stärkere Verlagerung der Bologna-Entscheidungskompetenz auf die Hochschulen beantragen werde.

Stuttgart, 8. März 2010
Dr. Roland Peter
Pressesprecher