MdL Helmut Göschel: „Dem Land kann der Abbau von Kundenservice nicht egal sein, weil die Bahn auch Kunden des Nahverkehrs Fahrplanauskünfte bieten muss“
Hängen neue Call-Center der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mit Schließungsplänen der Bahn zusammen?
Die angekündigte Schließung von Call-Centern der Deutschen Bahn AG für Fahrplanauskünfte ist bei der SPD-Landtagsfraktion auf Kritik gestoßen. „Mit großer Verwunderung“ reagierte der SPD-Verkehrsexperte Helmut Göschel auf Pläne der Bahn, ihre CallCenter für telefonische Reiseauskünfte in Zukunft stark auszudünnen. Dabei stünden in Baden-Württemberg angeblich die Standorte Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg zur Disposition. „Dem Land kann der Abbau von Kundenservice nicht egal sein, weil die Bahn auch Kunden des Nahverkehrs Fahrplanauskünfte bieten muss“, sagte Göschel. Er forderte Landesverkehrsminister Ulrich Müller (CDU) auf, in der Sitzung des Landtagsausschusses für Umwelt und Verkehr am Donnerstag dieser Woche zu den Vorgängen Stellung zu beziehen. „Der Minister muss darlegen, wie er einen attraktiven Kundenservice bei der Fahrplanauskunft der Bahn insgesamt sicherstellen will“, erklärte Göschel.
Der SPD-Abgeordnete machte darauf aufmerksam, dass das Landesverkehrsministerium erst im Dezember 2002 ein zusätzliches Call-Center für Fahrplanauskünfte, betrieben von der Nahverkehrsgesellschaft des Landes, für 2 Mio. Euro aus der Taufe gehoben habe. Damit sei eine Serviceverbesserung für die Kunden beabsichtigt gewesen, weil man die bisherigen Informationsangebote der Bahn und der Verkehrsverbünde für ergänzungsbedürftig gehalten habe.
Helmut Göschel: „Ich halte es für einen Schwabenstreich erster Güte, wenn das Land jetzt für viel zusätzliches Geld unter dem Strich eine Angebotsausdünnung der Bahn zu Lasten der Kunden mit finanziert.“. Anlass für kritische Nachfragen sieht Göschel vor allem in der zeitlichen Nähe des Aufbaus des teuren Landesinformationsdienstes und der Rückzugsabsichten der Bahn. „Die Bahn hat zunächst ihre Dienste von 12 Cent auf mittlerweile unattraktive 61 Cent pro Minute verteuert und jetzt bietet das Land diese Dienste, hoch subventioniert über die Nahverkehrsgesellschaft, genau für jene ursprünglich in Rechnung gestellten 12 Cent wieder alternativ an“, gab Göschel zu bedenken.
Da die telefonische Auskunft der Bahn gleichermaßen den Kunden von Fern- und Nahverkehr zur Verfügung stünde, sei eine Qualitätsverschlechterung in diesem Servicebereich auch für das Land als Großbesteller von Nahverkehrsleistungen der DB AG von Bedeutung. Wenn die Bahn diese Verschlechterung, von der auch ihre Nahverkehrskunden betroffen sind, einseitig beschließen könne, stelle sich die Frage, warum diese wichtige Informationsdienstleistung nicht in den Qualitätsstandards für Nahverkehrsbestellungen bei der Bahn enthalten sei. Nach den Worten Göschels ist der Beratungsbedarf für ÖPNV-Nutzer angesichts der aktuellen Tarifreform der DB AG ohnehin gestiegen.
Stellv. Pressesprecher