Wolfgang Drexler: „Eine gezielte Sprachförderung und der Ausbau des Betreuungsangebots bringen für die vorschulische Bildung unserer Kinder mehr als ein Pflichtjahr“

Die SPD-Landtagsfraktion hat den Vorstoß von CDU-Fraktionschef Oettinger zur Einführung eines Kindergarten-Pflichtjahrs als „reine Luftblase“ zurückgewiesen. SPD-Fraktionschef Wolfgang Drexler hält ein Pflichtjahr für den „falschen Weg, um die vorschulische Bildung unserer Kinder zu verbessern“. Notwendig seien vielmehr eine gezielte Sprachförderung vom ersten Kindergartenjahr an und der Ausbau von Betreuungsangeboten, insbesondere im Ganztagsbereich.

Die Unglaubwürdigkeit des Oettinger-Vorschlags zeige sich daran, dass die CDU-Fraktion bei den Beratungen zum Landeshaushalt 2004 noch nicht einmal bereit gewesen sei, 10 Millionen Euro zusätzlich für den Ausbau des Betreuungsangebots und für die Sprachförderung bereitzustellen, wie dies ein Antrag der SPD-Fraktion begehrt hatte.

Weder bei der Sprachförderung noch beim dringend erforderlichen Ausbau des Betreuungsangebotes hätten die Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen bisher vernünftige Konzepte vorgelegt. „Der Oettinger-Vorstoß zur Einführung eines Kindergarten-Pflichtjahrs ist daher ein populistischer Versuch, von dieser Konzeptionslosigkeit abzulenken“, kritisierte Drexler.

Wenn sich Oettinger im CDU-internen Machtkampf um die Teufel-Nachfolge profilieren wolle, dann solle er lieber dafür sorgen, dass Kultusministerin Schavan und Sozialminister Repnik endlich das lang angekündigte und längst überfällige vorschulische Sprachförderkonzept vorlegen.

Nach Ansicht von Drexler ist es eindeutig zu spät, mit der vorschulischen Förderung erst im fünften Lebensjahr anzufangen. Der SPD-Fraktionschef machte darauf aufmerksam, dass bereits jetzt nahezu alle Fünfjährigen den Kindergarten besuchten. An der Tatsache, dass heute jedes vierte Kind in Baden-Württemberg den Kindergarten mit Sprachdefiziten verlässt, würde ein Pflichtjahr nichts ändern. Vorrangig seien vielmehr die gezielte Sprachförderung im Kindergarten und eine Qualitätsverbesserung, zum Beispiel durch kleinere Gruppen.

Martin Mendler
Stellv. Pressesprecher